Illustrator Tagebuch

Paul Mafayon

Troll & Dragon: Ein Push-your-luck-Spiel für Kinder ab 7 Jahren.

Erzähl ein bisschen über dich.
Ich hätte hier gerne mein Alter genannt, aber ich beginne dieses Jahr eine neue Dekade, eine, die wirklich wehtut. Also möchte ich bloß sagen, dass ich alt genug bin, um die ersten Sendungen von „Space Sheriff Gavan“ (X-Or) im Fernsehen gesehen zu haben. Ich habe 3 Kinder und ich zeichne, seit ich 3 bin. Um es kurz zu machen: Ich habe jahrelang für Videospiele gearbeitet, aber seit 2015 habe ich ungeheuren Spaß für Brettspiele zu arbeiten. Meine Grafikstile sind unterschiedlich: Von Zombies bei „Off the Dead“ bis zu Loonies in „Loony Quest“ und den Covern für Helden-Fantasy-Romane gibt es so viel zu entdecken. Das gemeinsame Element dürfte wohl meine Vorliebe für kräftige Farben sein.

Erzähl uns etwas über dein Spiel

Ich habe „Troll & Dragon“ mit meinem 8jährigen Sohn gespielt. Wir hatten eine Menge Spaß miteinander. Ich muss sagen, dass ich sehr überrascht war, welche Erfahrungen das Spiel bietet. Ich hatte nicht erwartet, so viel Spaß mit einem Spiel zu haben, das eigentlich „für Kinder“ gedacht ist. Da ich erwachsen bin, glaubte ich, eher gelangweilt zu sein, aber das war ganz und gar nicht der Fall! Die Spielregeln sind durchdacht und beim Spielen fühlt man sich genauso wie ein Held, der tatsächlich versucht, einen Drachenhort zu plündern. Man wird von der Gier nach Gold erfasst, einem unwiderstehlichen Drang … man hat aber gleichzeitig auch Angst. Wir haben gewürfelt wie die Wilden, um so viele Schätze wie möglich zu bekommen, immer mit einem Auge auf dem Drachen, bei dem wir hofften, dass er schön weiterschläft. Diese beiden Emotionen passen gut zusammen… Mein Sohn hatte oft Angst, aber die sanfte Art von Angst, die Kinder häufig empfinden und die gleichzeitig positive Energien freisetzt und sich in explosivem Gelächter auflöst. Das passierte immer, ob wir nun dem Drachen entkamen oder nicht.

Ich glaube, das Thema passt perfekt zum Spiel. Beim Spiel fühlt man sich sofort in der Haut des Helden. Die Regeln passen prima zur imaginären Welt des Spiels. Wenn etwas derart gut zusammenpasst, muss man sich fragen, was wohl zuerst kam. War die Welt durch das Spiel inspiriert? Oder war es umgekehrt? Das letzte Mal, dass mir das passiert ist, war es beim Spiel „Photosynthesis“.

… und woher kommt deine Inspiration beim Zeichnen?

Es gibt ein paar Faktoren, die man berücksichtigen muss, wenn man ein neues Projekt übernimmt. Zuerst muss mich das Universum ansprechen, denn Inspiration und Vergnügen gehen Hand in Hand. Ohne Vergnügen wird es zu kompliziert (ich sage sogar: unmöglich) gute Illustrationen zu erschaffen. Dann muss ich dem Verlag des Spiels vertrauen. Wenn ich diese Art Arbeit mache, sollen meine Illustrationen von so vielen Leuten wie möglich gesehen werden. Jeder Künstler möchte mit seinem Werk das größtmögliche Publikum erreichen und der Verlag spielt dabei die Schlüsselrolle. Werden sie das Spiel bewerben? Hat das Endprodukt eine hohe Qualität? In wie vielen Ländern wird es erscheinen? Und so weiter … Es gibt viele Aspekte, die einen Unterschied ausmachen, bei derart vielen Neuerscheinungen in jedem Jahr. Bei „Troll & Dragon“ war das Universum ganz klar sehr unterhaltsam und da ich bereits einige Male mit den Mitgliedern des LOKI-Teams zusammengearbeitet habe, wusste ich, dass das Spiel qualitativ hochwertig werden würde.

Mich frustriert es immer ein bisschen, wenn ich an Spielen arbeite, sie dann aber mit meinen Kindern nicht spielen kann, weil die Spielregeln zu komplex sind. Daher haben mir diese Projekte für Kinderspiele sehr viel Spaß gemacht. Ich hatte zuvor schon einige Illustrationen für diese Zielgruppe bei der Arbeit an Loony Quest gemacht. Bei „Troll & Dragon“ war es noch reizvoller, weil mein Sohn den Prototypen bereits kannte. Er konnte es nicht erwarten, erneut zu spielen, aber dieses Mal mit den Illustrationen seines Vaters. Ich ließ ihn bei diesem Projekt am gesamten kreativen Prozess teilhaben. Für Kinder ist dieser Prozess nie leicht zu verstehen, also war es für uns beide eine gute Gelegenheit.

Ein Abenteuer, eine Welt, und die Charaktere darin …

Um Figuren zu zeichnen, versetze ich mich in deren Persönlichkeit. Bei „Troll & Dragon“ gibt es die Barbarin, die, ganz im Gegensatz zu ihrem Namen, sehr sanft und einfach zu erschrecken ist. Sie hat aber ihrem Clan geschworen, dass sie Gold vom Drachenhort mitbringt, um sich den Titel als Barbarin auch wirklich zu verdienen. Dann haben wir den Ritter, einen Aufschneider, der dem Zustand seiner Frisur und seiner Rüstung viel (zu viel) Aufmerksamkeit schenkt, aber trotzdem immer bereit ist, den Schwächsten zu helfen … auch wenn es oft diejenigen sind, die er zu beschützen versucht, die ihn dann aber aus dem Schlamassel herausholen müssen. Dann kommt der Dieb, ein geschickter Typ, der in jeder Situation immer zuerst an sich selbst denkt. Seine pfiffigen Scherze werden von seinen Mitabenteurern immer geschätzt, es sei denn, sie selbst sind deren Ziel. Die rothaarige Bogenschützin ist zweifellos das mutigste Mitglied des Teams. Für sie ist das leichte Kitzeln der rauchenden Nasenlöcher des Drachen der einfachste Weg, Spaß zu haben. Sie geht auf Abenteuersuche, um diese starken Emotionen zu verspüren und all das Gold, was sie erbeutet, gibt sie den hilfsbedürftigen Bewohnern ihres Dorfes. Schließlich gibt es den schelmischen, aber tapferen gestiefelten Kater, der Diskretion und Schnelligkeit bevorzugt. Wenn er den Drachenhort betritt, zieht er seine Stiefel aus zwei Gründen aus: Um noch leiser zu sein, aber auch, um sie mit Goldnuggets vollstopfen zu können!

Natürlich ist Recherche alles, auch bei diesem Projekt. Für jeden Gegenstand, Charakter und Ort muss ich Inspirationsquellen finden. Je mehr Quellen man auftut, desto besser ist die Arbeit als Illustrator. Die Schöpfungen erhalten so mehr Tiefe, mehr Glaubwürdigkeit aber auch mehr Originalität, denn durch Inspiration schafft man es, neue, kreative Gedanken zu entwickeln. Meine Inspirationen stammen aus der realen Welt, denn nur so können wir uns in imaginäre, gezeichnete Welten einfinden. Mich inspiriert auch die Arbeit anderer Künstler, die ich schätze und deren Grafikstil sowohl zum Thema des Spiels passt, als auch zur Zielgruppe.

Noch etwas?

Ich glaube in meiner Kindheit hatten wir nicht das Glück, das Kinder von heute haben. Es gab wenig Auswahl und die Spiele waren im Vergleich zu dem, was heute existiert, sehr mittelmäßig. Ich kann mich erinnern, dass ich tatsächlich Spaß mit dem traditionellen französischen Kartenspiel „Nain Jaune“ hatte oder mit „Zahltag“. Wenn wir damals mit so etwas Spaß haben konnten, kann ich erahnen, welchen ungeheuren Spaß die Kids von heute haben müssen.